Forest Bathing hat nichts mit einem herkömmlichen Bad zu tun. Die neue Wellnessmethode aus Japan nutzt die natürlichen Heilkräfte des Waldes. Und die sind sogar wissenschaftlich erwiesen.

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Von Baum zu Baum

Es ist ein natürliches Wunder, das praktisch im Vorbeigehen passiert: Beim Forest Bathing regen chemische Botenstoffe der Bäume das menschliche Immunsystem an, aktivieren die Abwehrkräfte.

Der entscheidende Faktor bei einem Waldspaziergang liegt in der frischen, würzigen und wohltuenden Luft. Den Ursprung dieses angenehmen Dufts bilden die sogenannten Terpene. Das sind ätherischen Öle, die die Bäume über ihre Harze verströmen. Einige Terpene enthalten neben den besonderen Aromen auch Alarmduftstoffe, sogenannte Phytonzide. Produziert ein Baum diese Stoffe, reagieren die umliegenden Bäume ebenfalls mit Ausschüttung dieses Botenstoffs. Für Biologen und Agrarforscher ist dies ein Beleg dafür, dass sich die Bäume auf diesem Weg über drohende Gefahren informieren. Zum Beispiel als Warnung vor Schädlingen. Je nach Art der Angreifer senden die Bäume den entsprechenden Duftstoff aus. Diese Hinweise werden von Baum zu Baum weitergegeben, damit sich alle rechtzeitig schützen und die überlebenswichtigen Phytonzide produzieren können. Die Duftstoffe haben eine antibakterielle Wirkung und sind sozusagen das Antibiotikum der Baumwelt. Die Kommunikation per Duftstoff dient also in erster Linie der Immunisierung und Gesundheitsvorsorge der Bäume. In der ökologischen Landwirtschaft werden Phytonzide als natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt.

Neben chemischen Botenstoffen, die man als Mensch kaum riechen, sehen oder hören kann, gibt es noch einen weiteren Kommunikationskanal der Pflanzenwelt. Seit kurzem ist wissenschaftlich bewiesen, dass Pflanzen sich auch über Geräusche miteinander austauschen. Ein internationales Forscherteam entdeckte wiederkehrende Knacklaute an Getreidepflanzen. Was die Wissenschaftler zunächst für Wachstumsgeräusche hielten, entpuppte sich als Wegweiser für nachwachsende Pflanzen. Die Signale sollten dem Nachwuchs deutlich machen: Hierher wachsen, hier ist noch Platz für deine Wurzeln. Eine besonders fürsorgliche Art der Kommunikation und der Nachwuchspflege.

Als nächstes wollen die Forscher herausfinden, wie genau die Geräusche erzeugt werden.

Pflanzen und Bäume haben sich scheinbar so einiges mitzuteilen. Geheime Codes und unbekannte Kommunikationswege gilt es weiterhin zu entschlüsseln. Bis dahin bleibt genug Zeit für das eine oder andere bewusste Bad im Wald. Und wer genau hinhört, kann eine ganz neue Sprache lernen.

 

Buchtipps zum Thema:
  • Clemens G. Arvay: „Der Biophilia-Effekt – Heilung aus dem Wald“, Ullstein Verlag, 22,90 Euro, Taschenbuch 10,99 Euro
  • Ulli Felber: „Waldbaden – das kleine Übungshandbuch für den Wald“, Schirner Verlag, 6,95 Euro
  •  Peter Wohlleben: „Das geheime Leben der Bäume“, Ludwig Verlag, 19,99 Euro
  •  Peter Wohlleben: „Gebrauchsanweisung für den Wald“, Piper Verlag, 15,00 Euro
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